Mit Mike Morgenstern durch Eichstätt

Wer die Krimis von Richard Auer liest, erfährt ganz nebenbei eine Menge  über Eichstätt und das Altmühltal. Sämtliche Schauplätze (wenn auch nicht immer bis zur exakten Hausnummer) gibt es wirklich. Man könnte also, wenn man wollte, auf Mike Morgensterns Spuren durch Eichstätt wandeln ... hier ein paar Beispiele:

Haifischbar an der Altmühl: „Ehe sich’s Morgenstern versah, war Hecht zum Kiosk gelaufen, vorbei an Zeitungsständern, Truhen mit Speiseeis und Kisten mit Fossilien und hatte den weißen Tretbootschwan für eine halbe Stunde gemietet. Unter den neugierigen Blicken der Biergartenbesucher stachen die Kommissare in See. „Hat was vom Märchenkönig Ludwig dem Zweiten“, sagte Hecht, als sie gemächlich tretend flussaufwärts schipperten. Morgenstern erhob sich von seinem Platz, lehnte sich an den mannshohen Schwanenhals an, breitete die Arme aus und rief: „Ich bin der König der Welt!“ „Setz dich sofort wieder hin“, raunzte Hecht. „Du machst uns noch zum Gespött der Leute.“ (Aus: "Hausbock", S. 132)

Walburgisgruft: „Nachdenklich wandte  er sich vom Anliegenbuch ab und studierte noch einmal die zahllosen Votivtafeln an den Wänden der Kapelle. In einem hölzernen Kästchen mit Glasfront waren uralte menschliche Backenzähne aufgereiht, die ihren Besitzern zur Barockzeit wohl höllische Schmerzen bereitet hatten, daneben fanden sich aus Wachs geformte Gliedmaßen, etwa drei Zentimter lang, vor allem Beine. Symbolische Geschenke für die Heilung erkrankter Körperteile. „Was bin ich froh, dass ich im 21. Jahrhundert leben darf', sagte Morgenstern zu Hecht und zeigte ihm die seltsame Sammlung.“ (aus: "Walburgisöl", S. 133/134)

Irish Pub, Gabrielistraße: „Zehn Minuten später fand er sich im Irish Pub in der Eichstätter Altstadt wieder, in seiner urgemütlichen Lieblingskneipe, die ohne Weiteres im Herzen von Dublin hätte stehen können. Zufrieden nippte Morgenstern an seinem süßbitteren Bier und hörte der Musik aus den Lautsprechern zu. Die Pogues, stellte er fest und sang vor lauter Freude ein bisschen mit. ,Dirty old town‘. Unwillkürlich musste er daran denken, wie wenig das herausgeputzte, idyllische, barocke Eichstätt mit der heruntergekommenen nordenglischen Industriestadt zu tun hatte, die in diesem melancholischen Lied besungen wurde.“ (aus: "Walburgisöl", S. 34) 

Wintershofer Steinbrüche: „Als sie das Steinbruchgebiet erreichen, präsentierten sich die Brüche den Beamten als Labyrinth verschiedener tiefer Gruben, die durch lehmige Schotterpisten verbunden waren. Zum Glück waren sie mit Morgensterns Landrover unterwegs. Über sich konnten sie den gelben Rettungshubschrauber von Ingolstadt herüberkommen hören. In der Nähe ihres Standorts tauchte der Helikopter in einen der größeren Brüche. Entschlossen legte Morgenstern den Rückwärtsgang ein und fand durch die Mondlandschaft endlich den Weg zum Unfallort.“ (aus: "Vogelwild", S. 25)

Leonrodplatz: „ Mittlerweile waren etliche Passanten stehen geblieben, um die Kontroverse zu verfolgen. Morgenstern und Hecht allerdings wurden ausgerechnet jetzt ihrer freien Sicht beraubt, weil der „Schnellbus“ der Linie Eichstätt-Ingolstadt des Busunternehmens Jägle turnusgemäß die Haltestelle am Leonrodplatz anfuhr. Als der Jägle-Bus sich schließlich doch in Richtung „Schanz“ bequemte, erkannten die Ermittler mit nicht geringem Bedauern, dass sie den Höhepunkt der Auseinandersetzung soeben verpasst hatten.“ (aus: "Teufelsmauer", S. 179)

Inselbad: „Er packte rasch seine Badehose und ein Handtuch ein und marschierte los. Das Freibad lag nah am Stadtzentrum auf einer Altmühlinsel. Morgenstern brauchte eine Weile, bis er seine Familie gefunden hatte. Fiona lag allein auf der Liegewiese und las ein Buch, die Jungs, so berichtete sie, tummelten sich am Sprungbecken (…) Morgenstern blickte nach oben zum Fünfer. Eine Gruppe älterer Jugendlicher versuchte sich in gewagten Sprüngen. Zwei davon schafften sogar einen Salto. Der Dreier kam ihm nun recht unproblematisch vor. "Also, was ist jetzt, Papa", drängte Marius. "Springst du?‘“ (aus: Walburgisöl, S. 68)

Spitalkirche: „Bei einem Blick zurück sah Morgenstern, dass auf der Spitalbrücke bereits ein Autofahrer angehalten und die Warnblinkanlage eingeschaltet hatte. Weitere Autos stoppten. Die Fahrer stiegen aus und starrten zu ihm nach oben. Morgenstern spürte, wie sich seine Waden verkrampften, seine Oberschenkel wurden hart wie Stein und begannen, unkontrolliert zu zittern, und nur mit äußerster Anstrengung schaffte er es, sich in der Dachrinne umzudrehen und mit dem Rücken an das steile, vom Nebel feuchte Satteldach zu lehnen. Er würde keinen Schritt mehr vor oder zurück zustande bringen, da war er sich sicher. (aus: "Walburgisöl", S. 207/208)

Westenfriedhof mit Michaelskapelle: „Sie gingen die Treppe zu dem steinernen Torbogen hoch. Leise drückte Morgenstern die schlichte Türklinke. Das Tor war unverschlossen. Morgenstern war froh, dass er die Begleitung der beiden Landpolizisten hatte. Die beiden hielten sich geräuschlos hinter ihm und lauschten. Doch das Einzige, was sie hörten, war das Rauschen der großen Bäume, die am ummauerten Hang standen. Hüfthohe schmale Grabsteine mit altertümlichen Schriften standen über das Gelände verstreut. Den Mittelpunkt bildete eine steinerne Kreuzigungsgruppe. Der Friedhof wirkte wie aus einer anderen Welt.“ (Aus: "Hausbock", S. 180)

Domportal: „Entschlossen wandte sich der Oberkommissar Richtung Hauptportal. Mit seinem gotischen Gewölbe wirkte es wie eine dunkle Höhle, deren Gang über einige Treppenstufen hinab zu den hölzernen Türflügeln des Doms führte. Zwei, nein drei Personen duckten sich an den Rand der Portalhöhle, um seinem Blick zu entkommen. Vergeblich. ,Haben Sie den Dom beschmiert?', fragte Morgenstern, und versuchte dabei, trotz des Alkohols so viel Autorität wie nur möglich in seine Stimme zu legen.“(aus: "Vogelwild", S. 7)

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